IMG_0851Diese Woche hatte ich die Ehre eines anonymen Besuches im Restaurant Hill. Obwohl Mr. Bee natürlich der perfekte Begleiter für derartige Gourmetabenteuer ist, hab ich diesmal meine liebe Freundin Sabine mitgenommen. Sie hat mit mir in meinen „Tulln“ Zeiten schon viele kulinarische Höhepunkte miterlebt, was mich übrigens wieder daran erinnert, dass ich schon ewig keinen Zwiebelrostbraten beim SODOMA mehr gegessen habe. Noch kritischer als ich, ist sie natürlich der perfekte Begleiter für einen Restauranttest.

Die Erwartungen waren verständlicherweise hoch, erreichten Andreas Sael & Aurelio Nitsche doch heuer mit Ihrem Team die zweite Haube im Gault Millau und den dritten Stern im a la Carte. Sie haben sich auch niemand geringeren als Thomas Göls ins Haus geholt, der schon unter Küchenchef Joachim Gradwohl für Furore gesorgt hat. Die Speisekarte von Thomas Göls verspricht eine harmonische Mischung aus allen meinen Lieblungsgerichten. Sobald nämlich Beef Tatar, Saucen, rosa gebratenes Rindfleisch, viel Gemüse und ein süsser Schmarrn auf einer Speisekarte zu finden sind, bin ich schon mal begeistert. Dann muss es nur noch schmecken, denn geschrieben liest sich ja bekanntlich vieles toll.

Vom freundlichen Kellner der Mäntel entledigt, durften wir zwischen 2 Tischen wählen, einem mit Blick in den Wintergarten, der andere im Hauptraum des Lokals beim Fenster, den wir auch gewählt haben. Bevor ich noch darüber nachdenken konnte, ob der Tisch vielleicht etwas klein werden könnte, wenn neben dem Gedeck auch noch Getränke, Brot & Leckereien stehen würden, kam der Kellner auch schon mit einem kleinen Abstelltischchen. Der Prosecco zum Aperitif war übrigens toll. Ein Sior Bepi Prosecco extra dry D.O.P. Sehr zu empfehlen. Da ich leider mit dem Auto unterwegs war konnte ich weiters keinen Alkohol trinken. Ok ein zweites Glas Prosecco musste es noch sein, weil er so gut war! Das Lokal verfügt allerdings über eine erlesene Weinkarte. Das nächste Mal fahre ich fix NICHT mit dem Auto.

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Mit dem Aperitif kam auch schon eine Auswahl an selbst gebackenem Brot, Butter, Schinkenspeck, Salz und Olivenöl. Mein HIGHLIGHT die Salzkapern. Ich hab soetwas noch nie gegessen. Der Kellner  – der übrigens wirklich kompetent und charmant war – meinte mit einem Augenzwinkern, man könne sie natürlich auch im Ganzen essen, was den Gastronomen sehr freuen würde, weil die Gäste dann mehr trinken. Allerdings sollte man sie besser zerbröseln und als Würzung verwenden. Das frische Brot, die Butter und die zerbröselten Salzkapern – ich hätte sonst schon gar nichts anderes mehr gebraucht. Ich muss unbedingt wissen, wie man diese Dinger macht!!! Oder zumindest wo man sie käuflich erwerben kann. Grandios, dieser salziges Aroma, wo noch schön der Geschmack der Kapern durch kommt und nicht durch das Salz übertüncht wird. Ich will Euch natürlich den Anblick nicht vorenthalten:

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Hier sind SIE in Nahaufnahme! Ich krieg schon wieder Lust drauf!

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Zur Vorspeise hat Sabine folgendes Gericht gewählt:

Geflügelleberterrine, Ochsenherzkarotten, Apfel.

Nachdem wir unsere Vorspeisen bei der Hälfte getauscht haben, kann ich Euch natürlich von allem einen Geschmackseindruck geben: Die Terrine extrem fein und cremig mit schönem Geflügelaroma, das durch feine Gewürznuancen noch abgerundet wurde. Wie man sehen kann auch mit ein paar Pistazien. Der Salat aus knackigen Ochsenherzkarotten, Apfel und Petersilie war nur mit wenig Säure versetzt und harmonisch abgeschmeckt. Ein wunderbares Gericht. Man konnte selbst noch mit dem gesondert angerichteten Salz oder grobem Pfeffer würzen. Ich hab noch ein paar Salzkapern auf Butterbrot genascht. Auf Empfehlung des Service hat Sabine einen Jungwein genossen. Entgegen sonstigen Jungweinen mit einer eher dezenten Säure. Laut Sabine eine sehr gute Wahl. Und alle die Sabine kennen, wissen was das heißt. (Für alle die sie nicht kennen, sie sagt dem Service gern auch wirklich ehrlich, was sie von Speisen und Getränken hält.)

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Ich hab mich natürlich wieder für den Klassiker entschieden:

Hill Tatar vom Wienerwald Weiderind, Toast.

Das Tatar selbst ist schön würzig abgeschmeckt mit schöner Senfcreme. Nicht so ganz meins – die Tomatencreme – Nocke. Sehr intensiv herb tomatig. Vom Geschmack her schon in die Richtung Tomatenmark gehend. Für mich wäre hier schon etwas mehr von der Senfcreme genug. Die Nocke braucht es gar nicht.

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Der perfekte Begleiter zum Tatar – getoastetes Schwarzbrot. Weich und knusprig zugleich. Eigentlich viel besser als Weißbrot. Muss ich mir merken.

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Vor der Bestellung hat uns der Kellner noch richtig Gusto auf die tagesaktuellen Gerichte gemacht. Besonders angelacht hätte mich die Gans mit klassischen Beilagen. Ich hab mich dann aber doch für das Dry Aged Beiried entschieden. Wie der Kellner jedoch plötzlich mit einer ganzen Gans am Brett bei unseren Tischnachbarn aufgetaucht ist, um ihnen zu zeigen aus welch prachtvollem Ganserl das gleich zu servierende Stück geschnitten wird, hat es mir kurz fast Leid getan, sie nicht bestellt zu haben. So kross und braun. Doch mir blieb nicht lang Zeit zum Überlegen, denn schon wurde uns Sabine´s Hauptgang – das Lamm – im Ganzen in der Pfanne gezeigt. Warum hab ich das eigentlich nicht bestellt?! Sieht doch zum Anbeissen aus? Oder?

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Und dann wurde auch schon serviert.

Geschmorte Lammschulter, Sellerie, Senf, schwarze Nüsse

Auch hier hab ich wieder gekostet. Ich bin ja großer Fan von Selleriecreme. Was mich wieder daran erinnert, dass ich doch endlich mal Kalbsbäckchen mit Selleriepüree kochen sollte! Die Lammschulter hatte eine leicht würzige süssliche Note und war butterzart. Die Nüsse passten hervorragend. Die Zellerstücke hatten noch etwas Biss. Ein Gedicht. Dazu hat Sabine übrigens einen meiner Lieblingsweine genossen – einen Muskateller vom Nigl. Falls manche jetzt fragen, warum ein Weißwein? Vom Service wurde natürlich ein Rotwein empfohlen, wiersind aber beide eher die Weißweintrinker. Muskateller war jedenfalls die richtige Wahl.

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Und wer jetzt glaubt auf den nächsten Bildern wurde mit Photoshop nachgeholfen. Weit gefehlt. Es hat tatsächlich ganz genau so ausgesehen. Einfach perfekt gebraten. Geschmacklich toll.

Dry Aged Beiried, Auberginen, confierter Ofenparadeiser, Bratkartoffeln, Sauce béarnaise:

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Eine wunderbare Kräuterkruste aus Schnittlauch und Jungzwiebel rundet den Geschmack des wirklich butterzarten Stückes Fleisch harmonisch ab. Ich bin auch großer Fan von gebratenen Melanzani. Eines kann man jedenfalls nach diesem Gericht sagen – hungrig geht man hier nicht heim! Denn die Beilagen allein sind schon sehr gehaltvoll.

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Die Sauce Bernaise – einfach köstlich. Perfekt aufgeschlagen mit schönem Estragonaroma.

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Am Schluss ist immer noch Platz für etwas Süsses! Oder?

Ich hätte ja große Lust auf den flaumigen Topfenschmarren mit Apfel-Quittenkompott für 2 Personen gehabt. Ich konnte aber bei bestem Willen kaum mehr etwas essen. Drum hab ich mich für Sorbet entschieden. Sabine für einen Klassiker: Mohr im Hemd. Ich lasse mal die Bilder sprechen:

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Darf man den Mohr im Hemd eigentlich noch Mohr im Hemd nennen? Ist das politisch heutzutage noch korrekt. Ich sag ja. So ein schokoladiger Traum kann keine Beleidigung sein!

Meine Sorbetvariation war eine fruchtige Komposition. Für mich vielleicht ein Overflow an Säure. Als Gegenpart hätte ich mir noch irgendetwas Süsses gewünscht. Als hätte es der Küchenchef gewusst, wurde uns noch ein kleiner Gruß aus der Küche serviert….

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Die Überraschung war ein kleines Apfelküchlein mit Vanilleeis! Ein schöner Abschluss eines gelungenen Abends.

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Das Lokal ist definitiv nicht nur einen Besuch wert. Zwar im 19ten etwas weiter vom Schuss, aber dennoch sehr leicht zu erreichen. Wir haben den Abend sehr genossen. Vielleicht wird es nächstes Mal ja wirklich mal ein Menü mit Weinbegleitung…

Hier das „Bine isst“ Ranking:

Speisen und Getränke: 9 (von 10 Punkten)

Service: 10/10

Ambiente: 9/10

Auswahl an Speisen: 9/10

Wo ist das Restaurant Hill zu finden? Wie reserviert man? Ein Blick in die Speisekarte? Ein Blick in die Getränkekarte oder Weinkarte?

Restaurant Hill

Sieveringer Straße 135 – 137
1190 – Wien

Tel: +43 (1) 320 1111

e:office@hill-restaurant.at

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